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Dialyse & Neues aus der Medizin

Vorsicht bei pflanzlichen Arzneien und Nahrungsergänzungsmitteln

Noni Pflanze
Noni Pflanze

Pflanzliche Arzneimittel und medizinisch eingesetzte Nahrungsergänzungsmittel aus pflanzlichen Quellen haben den Ruf, besonders schonend oder nebenwirkungsarm zu sein. Ob dies wirklich so ist oder nicht, ist für Dialyse-Patienten letztlich egal: Für sie kann jede Substanz gefährlich werden, die sie zusätzlich zu einer ausgewogenen, individuellen Diät zu sich nehmen. So enthält der oft als Wundermittel angepriesene Noni-Saft erhebliche Mengen an Kalium und sollte deshalb von Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz auf jeden Fall vermieden werden, warnen Ernährungsexperten aus New York [1].

Auch die allseits beliebten Leinsamen (bei Verstopfung zur Anregung der Dickdarmfunktion) und vergleichbare pflanzliche Abführmittel sind nur mit Vorsicht zu genießen. Grund: Sie funktionieren nur unter erhöhter Flüssigkeitsaufnahme und bringen auf diese Weise sorgfältig festgelegte Trinkpläne durcheinander. Dass besonders von den Regulierungsbehörden nicht oder nur gering kontrollierte pflanzliche Produkte aus dem Bereich Nahrungsergänzungsmittel zudem giftig, krebserregend oder leberschädigend sein können, immer wieder mit Pestiziden oder Schwermetallen verseucht sind oder x-beliebige chemische - undeklarierte - Arzneistoffe enthalten, disqualifiziert solche Produkte besonders für Nierenpatienten [2]. Zahlreiche Substanzen sind wegen ihrer spezifischen Gefährlichkeit für Dialysepatienten sogar völlig kontraindiziert. Beispielweise wegen ihrer unvorhersehbaren Verstoffwechselung im Körper, ihrer Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen, möglichen Änderungen von Herz-Kreislauffunktionen, Auswirkungen auf den Zuckerstoffwechsel oder der Verstärkung von Elektrolyt-Abweichung. Schließlich liegen praktische keine Informationen über die Dialysierbarkeit von aktiven Wirkstoffen oder ihre potentiell aktiven oder toxischen Stoffwechselprodukte vor. Manche Nahrungsergänzungsmittel enthalten Metall-Ionen und andere Mineralstoffe.

So bedeutsam pflanzliche Heilmittel (Phytotherapeutika) für die breite Palette moderner Arzneimittel auch sind - rund 90% wurden aus pflanzlichen und anderen organischen Quellen entwickelt -, sie sollten nicht als grundsätzlich harmlos, nebenwirkungsarm oder frei von Wechselwirkungen betrachtet werden. Immer sollten Dialyse-Patienten, die im Rahmen der Selbstmedikation den Einsatz von frei verkäuflichen (pflanzlichen) Arzneimitteln oder Nahrungsergänzungsmittel wünschen, diese Zusatzmedikation mit ihrem behandelnden Facharzt besprechen (und hinsichtlich der Nahrungsergänzungsmittel auch mit ihrer Diätassistentin). Rezeptfreiheit bedeutet nämlich weder Nebenwirkungsfreiheit noch Wirkungslosigkeit, wie die deutsche Arzneimittel-Zulassungsbehörde zu glauben scheint. Manche Dialysepatienten finden zu solcher Behörden-Blauäugigkeit nur anklagende Worte: Ihr Nierenschaden entstand letztlich durch eine Schädigung mit freiverkäuflichen Schmerzmitteln und Kombinationen daraus (Analgetika-Nephropathie, Phenazetin-Nieren) [3]. Auch Health Professionals, die Prä-Dialyse-, Dialyse- oder transplantierte Patienten betreuen, sollten immer nach der Verwendung komplementärer, alternativmedizinischer Präparate und Produkte durch ihre Patienten befragen.

Hinweis Homöopathische Arzneimittel, wie sie beispielsweise zur Behandlung von Juckreiz von Dialyse-Patienten eingesetzt werden [4], sind in hoher Verdünnungsstufe („Potenz“) harmlos, weil sie nur noch kleinste, kaum nachweisbare Spuren der jeweils verwendeten Wirkstoffe enthalten.

Autor

Rainer H. Bubenzer, Berliner Medizinredaktion, Juli 2007.

Quellen

  1. Burrowes JD, Van Houten G: Use of alternative medicine by patients with stage 5 chronic kidney disease. Adv Chronic Kidney Dis. 2005 Jul;12(3):312-25 (Kurzfassung).
  2. Dahl NV: Herbs and supplements in dialysis patients: panacea or poison? Semin Dial. 2001 May-Jun;14(3):186-92 (Kurzfassung).
  3. Elseviers MM, De Broe ME: Analgesic nephropathy: is it caused by multi-analgesic abuse or single substance use? Drug Saf. 1999 Jan;20(1):15-24 (Kurzfassung).
  4. Cavalcanti AM, Rocha LM, Carillo R Jr, Lima LU, Lugon JR: Effects of homeopathic treatment on pruritus of haemodialysis patients: a randomised placebo-controlled double-blind trial. Homeopathy. 2003 Oct;92(4):177-81 (Kurzfassung).
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