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Dialysepatienten: Ernährungswissen über Nahrungs-Phosphate gering

Erhöhte Phosphorspiegel („Hyperphosphatämie“) sind trotz hochentwickelter Dialyse-Techniken eines der großen Probleme von Patienten mit chronischem Nierenversagen. Nicht nur, dass tiefgreifende Störungen des Kalzium-Phosphor-Stoffwechsels zu Knochenerkrankungen führen können, sie verursachen auch Herzkreislauf-Erkrankungen und andere Gesundheits-Probleme. Und: Hyperphosphatämie ist - für sich genommen - ein unabhängiger Risikofaktor für die erhöhte Sterblichkeit von Dialysepatienten [1]. Die Kontrolle der Phosphat-Aufnahme über die Ernährung ist für die Prophylaxe der Hyperphosphatämie entscheidend. Also für die lebensverlängernde Vorbeugung eines auf Dauer krankmachenden, erhöhten Phosphatspiegel im Blut und den Körpergeweben. Es scheint auf der Hand zu liegen, dass spezifisches Ernährungswissen von Dialysepatienten zur verstärkten Vermeidung von phosphatreichen Lebensmitteln und Getränken und damit zu einer geringeren Phosphatbelastung über die Ernährung führen sollte. Eine Studie von US-Nephrologen zeigt jetzt jedoch Erschreckendes: Im Vergleich zu anderen, für den Verlauf des chronischen Nierenversagens wichtigen Nährstoffen wie Kalium, Natrium oder Eiweiß, wissen Dialysepatienten - selbst bei regelmäßiger Diätberatung - über Phosphor oder Phosphatgehalte in Nahrungsmitteln erschreckend wenig [2].

Insgesamt 47, im Mittel 58,6 Jahre alte Dialyse-Patienten eines Dialysezentrums wurden hinsichtlich ihres Bildungshintergrundes, ihres allgemeinen Gesundheitswissens sowie ihres spezifischen Wissens bezüglich Ernährung bei chronischer Nierenerkrankung befragt. Die meisten Befragten hatten eine höhere Schulbildung und ein für die Fragestellung meist angemessenes gesundheitliches Grundwissen. Alle Patienten erhielten entsprechend ihrer Laborbefunde und dem Zustand ihres Flüssigkeitshaushalts eine monatliche, individuelle Ernährungsberatung in dem Zentrum. Der spezielle, zur Frage der Dialyse-Ernährung erstellte Multiple-Choice-Fragebogen (Chronic Kidney Disease Knowledge Assessment Tool for Nutrition - CKDKAT-N) zeigte, dass die befragten Patienten zu Ernährungs-Sachverhalten rund um Phosphor etwa nur halb so oft richtige Antworten geben konnten, wie zu anderen dialyserelevanten Nährstoffen. Interessanterweise konnten keine Unterschiede beim „Phosphorwissen“ von Hämodialyse- und Peritonealdialyse-Patienten festgestellt werden, obwohl deutliche Unterschiede im Bildungsgrad und Gesundheitswissen vorlagen.

Kommentar Dialyse.de Bedenkt man, dass mehr als die Hälfte aller Dialysepatienten mit ihren Phosphorspiegeln über den empfohlenen Werten liegen, wie US-Daten zeigen [3], und dies trotz der Verwendung von Phosphatbindern als Standardtherapie, zeigt auch die vorgelegte Studie erhebliche Probleme auf. Zum einen dürften erst neue Phosphatbinder wie Lanthancarbonat (-> Lanthancarbonat - Neueste Alternative zur Phosphat-Bindung) zu einer, bei regelmäßiger Anwendung angemessenen Compliance führen. Also - weil nur eine Tablette pro Mahlzeit notwendig ist - zu einer sachgerechten Einhaltung der vorgeschlagenen Behandlung („Therapie-Treue“). Zum anderen erreicht die diätetische Schulung und Ernährungs-Umstellung der Dialyse-Patienten noch lange nicht jene Ziele, die tatsächlich zu einer effektiven Verringerung der Kalzium- und Phosphor-Aufnahme führen könnten [4]. Die Autoren kommen deshalb auch zu dem Schluss, das die aktuellen Standards bei der Dialyse-Ernährungsberatung durch Nephrologen, Dialyseschwestern oder spezialisierte Ernährungs-Beraterinnen und Diät-Assistentinnen nicht angemessen sein könnten, um die wirklichen Probleme bewältigen zu können.

Autor

Rainer H. Bubenzer, Berliner Medizinredaktion, Oktober 2007.

Quellen

  1. Ganesh SK, Stack AG, Levin NW, Hulbert-Shearon T, Port FK: Association of elevated serum PO(4), Ca x PO(4) product, and parathyroid hormone with cardiac mortality risk in chronic hemodialysis patients. J Am Soc Nephrol. 2001 Oct;12(10):2131-8 (Kurzfassung, Volltext).
  2. Pollock JB, Jaffery JB: Knowledge of phosphorus compared with other nutrients in maintenance dialysis patients. J Ren Nutr. 2007 Sep;17(5):323-8 (Kurzfassung).
  3. Slinin Y, Foley RN, Collins AJ: Calcium, phosphorus, parathyroid hormone, and cardiovascular disease in hemodialysis patients: the USRDS waves 1, 3, and 4 study. J Am Soc Nephrol. 2005 Jun;16(6):1788-93 (Kurzfassung, Volltext).
  4. Cupisti A, D'Alessandro C, Baldi R, Barsotti G: Dietary habits and counseling focused on phosphate intake in hemodialysis patients with hyperphosphatemia. J Ren Nutr. 2004 Oct;14(4):220-5 (Kurzfassung).
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