LoginImpressumKontaktSitemap
Dialyse & Ernährung Zurück zur Startseite
Ernährung Kalium Datenbank Allgemeines DGEM Leitlininen K/DOQI Guidelines Ernährungsberatung Rezepte
Neues Buchbesprechung: Ich liebe jeden Tag Chronische Nierenerkrankung: Eine Lebensgeschichte Problematisch: Weltweiter Anstieg chronischer Nierenerkrankungen Einsatz von Heilpflanzen bei Nierenkranken Lesetipp: Fachpflege Nephrologie und Dialyse Archiv
Selbst-/Hilfe Fragen+Antworten Linkliste Praxen & Zentren Selbsthilfegruppen Tipps für Patienten Nephrologie - was ist das?
Forum
 
Dialyse & Neues aus der Medizin

Saunabaden zur Unterstützung der Dialyse?

© Val Thoermer - Fotolia.com

Wärmeregulation, Schutz vor vielerlei Angriffen von außen, Schutz vor Austrocknung oder Aufnahme von Sinnesreizen sind bedeutende Aufgaben des etwa 1,5 bis 2 Quadratmeter großen und bis zu 10 Kilogramm schweren Organs Haut. Doch die Haut kann noch viel mehr: In ihr wird unter Sonnenlichteinfluss aus Vitamin-D-Vorstufen das für den Kalzium- und Phosphathaushalt (Knochen!) unverzichtbare bioaktive Vitamin D gebildet. Und die Haut ist - neben Leber, Nieren und Darm - ein bedeutsames Ausscheidungsorgan für wasserlösliche Stoffwechselprodukte, wie Naturheilkundler seit langem wissen. Untersuchungen zur Frage, ob die Aktivität der Schweißdrüsen eine herkömmliche Nierenersatztherapie („Hämodialyse“) unterstützen kann und ob diese Aktivität trainierbar ist, hat es trotz der möglichen praktischen Bedeutung für die betroffenen Patienten kaum gegeben. Immerhin wurde vor genau 20 Jahren eine wenig beachtete Studie zu dieser Frage veröffentlicht. Die Autoren aus Dresden kamen damals zu dem Schluss: Schwitzen kann die Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen fördern, damit die Hämodialyse unterstützen und ist trainierbar [1].

Ähnlichkeiten in Aufbau und Funktion von Nephron und Schweißdrüsen

Dass es Ähnlichkeiten in Aufbau und Funktion von Nephron („kleinste Funktions-Einheit in der Niere“) und Schweißdrüsen der Haut gibt, ist seit langem bekannt. Sogar die Anzahl von Nephronen und Schweißdrüsen ähneln sich. Zudem enthalten Urin und Schweiß in etwa gleiche Bestandteile auch hinsichtlich ihrer Eiweißbestandteile [2]. Viele Dialysepatienten wissen zudem, dass ihre terminale Niereninsuffizienz, ihr chronisches Nierenversagen - trotz regelmäßiger Blutwäsche - erkennbare Spuren in der Haut hinterlässt. Und beispielsweise zu gelblichen Verfärbungen der Haut oder Hautjucken führt. Dies liegt einerseits an der Einlagerung von harnpflichtigen Substanzen in die Haut. Andererseits liegt es aber auch daran, dass Erkrankungen, die zum Nierenversagen führen, auch das Funktionieren der Schweißdrüsen beeinträchtigen können. Folgen: Dialysepatienten haben oft eine trockene Haut, sie schwitzen weniger („Hypohidrose“) und können somit weniger harnpflichtige Substanzen über die Schweißdrüsen ausscheiden [3, 4]. Umgekehrt zeigen anekdotische Erfahrungs-Berichte mancher Dialysepatienten, dass zum Beispiel Saunieren das Wohlgefühl deutlich verbessern und sogar längere Dialyseintervalle überbrücken helfen kann.

Im Rahmen der Dresdner Studie wurden 17 gesunde und 30 niereninsuffiziente Patienten mit verschiedenen Verfahren zum Schwitzen gebracht (Sauna - 3x je 10 Min., Vierwannenbad - 45°C, 30 Min., Vollbad - 41°C, 30 Min. - jeweils gefolgt von 30minütiger Packung zum Nachschwitzen). Unter engmaschiger Kontrolle relevanter Vital- und Nieren-Laborwerte wurden auch die ausgeschiedenen Schweißmengen sowie die Gewichtsveränderungen durch Flüssigkeitsverlust bestimmt. Die Schweißmengen bei Gesunden waren beim Vollbad am höchsten (im Mittel rund 700 Milliliter). Die Menge ausgeschiedenen Schweißes betrug bei Niereninsuffizienten etwa die Hälfte der Volumina von gesunden Probanden, zeigten jedoch von Person zu Person starke Schwankungen auf. Die Bestimmung gelöster Teilchen in Schweiß und Urin zeigte die zu erwartenden Unterschiede: Bei Niereninsuffizienten liegt der Anteil gelöster Substanzen im Vergleich zu nierengesunden Probanden deutlich höher. Bei Nieregesunden wurden rund 15% der Tagesausscheidung gelöster Teilchen über die Haut ausgeschieden. Auch die Harnstoff-Ausscheidung über die Haut war nicht unerheblich (bis zu 10% der Urin-Tagesausscheidung).

Besonders beeindruckend waren für die Forscher jedoch die Auswirkungen einer sechswöchigen Kneipp-Kur bei 23 niereninsuffizienten Patienten. Die täglichen Anwendungen bestanden aus alternierend ansteigenden Halbbädern, Arm- und Fußbädern mit anschließendem Brustwickel, Heusackpackungen sowie zwei Saunabädern je Woche mit 1-3 Saunagängen nach individueller Verträglichkeit. Es zeigte sich, dass diese Maßnahmen zu einer signifikanten Zunahme der Schwitzleistung um zusätzlich über 300 Milliliter führte. Die Schwankungen waren jedoch beträchtlich: „Gute Schwitzer“ konnten über 500 Milliliter (ein halber Liter) mehr Schweiß bilden. Allerdings bestand zwischen Menge zusätzlich gebildeten Schweißes und der Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen keine Abhängigkeit. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass „durch Wärme stimuliertes Schwitzen als ergänzende Behandlungsmethode zur konservativen Therapie der chronischen Niereninsuffizienz“ zu empfehlen sei, ohne jedoch andere Maßnahmen wie Diät und Dialyse ersetzen zu können.

Kommentar Dialyse.de Die Studie hat vor 20 Jahren wissenschaftliche Fragen aufgeworfen, die bis heute unbeantwortet geblieben sind (beispielsweise zur Natur der Schweißdrüsen-Schädigung bei chronischem Nierenversagen). Dies mag an der notwendigen aufwändigen, teuren Methodik liegen, für die sich keine finanzstarken Industriesponsoren finden lassen. Oder einfach an fehlendem Interesse an einem leistungsfähigen Komplementär-Verfahren, das zudem noch Lebensfreude und Wohlbefinden der Patienten steigern kann. Dass tägliche Schwitz-Zeiten von 7-8 Stunden nötig wären, um die fehlende Tagesausscheidung der Nieren vollständig zu kompensieren, muss nicht unbedingt als Beleg der fehlenden Alltags-Tauglichkeit gedeutet werden. Es kann auch - positiv - darauf hinweisen, dass der menschliche Körper selbst bei völligem Nierenversagen noch wirksame Mechanismen hat, um das Überleben zu sichern (wenn auch unter ziemlich extremen Umständen).

Autor

Rainer H. Bubenzer, Berliner Medizinredaktion, Oktober 2007.

Quellen

  1. Koban F, Hornak H, Schubert E, Rose W: Zur sekretorischen Leistung ekkriner Schweissdrüsen aus nephrologischer Sicht. Z Gesamte Inn Med. 1987 May 1;42(9):242-5 (Kurzfassung.
  2. Liappis N, Janssen E, Kesseler K, Hildenbrand G: A quantitative study of free amino acids in eccrine sweat collected from the forearms of healthy young men during sauna bathing. Eur J Appl Physiol Occup Physiol. 1980;45(1):63-7 (Kurzfassung).
  3. Park TH, Park CH, Ha SK, Lee SH, Song KS, Lee HY, Han DS: Dry skin (xerosis) in patients undergoing maintenance haemodialysis: the role of decreased sweating of the eccrine sweat gland. Nephrol Dial Transplant. 1995 Dec;10(12):2269-73 (Kurzfassung, Volltext).
  4. Yosipovitch G, Reis J, Tur E, Blau H, Harell D, Morduchowicz G, Boner G: Sweat electrolytes in patients with advanced renal failure. J Lab Clin Med. 1994 Dec;124(6):808-12 (Kurzfassung).
LinklisteLinkliste
LinklisteHier finden Sie hilfreiche Links für Dialyse Patienten.
Medizin-News
Medizin-News Der Bundes-
Lebensmittel-
schlüssel - eine Illusion
© Berliner Medizinredaktion (mMv), 1992-2011. Texte und Abbildungen unterliegen deutschem und internationalem Urheberschutzrecht:
Insbesondere der Nachdruck oder die Übernahme in digitale Medien ist nur nach Genehmigung möglich.