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Dialyse & Neues aus der Medizin

Vorbeugung, Therapie
Dialyse, Diabetes, Ernährungsumstellung und körperliche Aktivität

Sport verlängert Leben

In den USA wird die Anzahl der Patienten mit endgültigem („terminalem“) Nierenversagen von 485.000 im Jahr 2005 auf 680.000 im Jahr 2015 und bis zu 785.000 im Jahr 2020 ansteigen, stellte Dr. David T. Gilbertson vom US Renal Data System (www.usrds.org) aus Minneapolis fest [1]. Diese Zunahme um fast 62 Prozent wird auch den Bedarf an Dialyseplätzen und an Transplantationen immer weiter ansteigen lassen (jährliche US-Steigerungsrate: fast 20.000 Patienten zusätzlich). Gilbertson findet diese Entwicklung bedenklich, denn es sei zu befürchten, dass für viele Betroffene keine ausreichenden Versorgungsmöglichkeiten mehr bestehen werden. Selbst wenn zunehmend Dialyseverfahren zum Einsatz kämen, die auch zu Hause anwendbar sind (Peritonealdialyse, Heim-Hämodialyse). Bezogen auf Deutschland bedeutet eine Steigerung von 62% in 15 Jahren, dass die Zahl der Dialysepatienten von 63.500 im Jahr 2005 auf 102.870 Patienten im Jahre 2015 zunehmen würde. Wie in den USA gehören auch bei uns Zuckerkrankheit, Übergewicht und andere zivilisationsbedingte Erkrankungen zu den Hauptursachen für diese Steigerung.

Diabetes Auch ohne die durch eine Zuckerkrankheit entstehenden Nierenschäden („diabetische Nephropathie“) ist die „Erwachsenen-Zuckerkrankheit“ („Diabetes mellitus Typ II“) ein Zivilisationsproblem erster Güte – sie ist die häufigste, folgenreichste und teuerste Erkrankung der Neuzeit (2001 alleine rund 60 Mrd. Euro in Deutschland, Tendenz steigend [2, 3]). Was jedoch – je nach persönlicher Interessenlage – wirklich erschreckend oder höchst ermutigend ist: Mit einer Kombination von Ernährungs-Umstellung, Gewichtsverringerung und vermehrter körperlicher Aktivität kann die Erkrankung zu fast 100 Prozent vermieden werden [4], betonte Prof. Dr. Martin Johannes Halle von der Technischen Universität München bei einem Fachkongress in Berlin [5]. Und selbst wenn die Diabetes-Erkrankung aufgetreten ist, erreicht eine solche Kombination mehr als alle verfügbaren Medikamente zusammen.

Vorbeugung einfach In mehreren großen Untersuchungen zur Vorbeugung von Diabetes wurden folgende Maßnahmen miteinander kombiniert [6-10]:

  • Verringerung des Körpergewichts um mindestens 5 Prozent
  • Senkung des Nahrungs-Fettgehaltes auf unter 30 Prozent
  • Senkung des Nahrungsanteils an gesättigten Fettsäuren auf unter 10 Prozent
  • Erhöhung des Gehaltes an Ballaststoffen in der Nahrung
  • mäßig anstrengende Bewegung für 30 Minuten an den meisten Tagen der Woche

Bei sportmedizinischer Beratung wurden zudem Empfehlungen für Ausdauersportarten wie Walking, Joggen, Schwimmen und Skilanglauf ausgesprochen und ein sportmedizinisch überwachtes Konditionstraining zur Schulung von Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Schnelligkeit angeboten („Zirkel-Training“).

Sport verlängert Leben

Der wesentliche Einwand von Kritikern ist seit vielen Jahren: Obwohl körperliche Aktivität vielleicht Krankheiten verhindern könne – zum Beispiel eben Diabetes mellitus –, sei dies kein Beweis, dass Sport wirklich hilft, das menschliche Leben zu verlängern. Zumal selbst „harmloser“ Breitensport erheblich verletzungsträchtig ist und stark zur Krankschreibungsstatistik in Deutschland beiträgt. Eine US-Untersuchung mit über einer Viertel Millionen Beteiligten zeigt jetzt erstmals in großem Stil: 30 Minuten mäßige körperliche Aktivität entsprechend gängiger Empfehlungen verringert die Sterblichkeit um ein gutes Viertel (-27%), genauso wie auch anstrengendere körperliche Aktivität für dreimal 20 Minuten in der Woche (-32%). Werden beide Aktivitäten miteinander kombiniert sinkt das Sterberisiko sogar um 50 Prozent [11]. Ein gesundes, vitales Leben, ohne sich mit zivilisationsbedingten Krankheiten sinnlos herumzuschlagen, ist also ein erreichbares Ziel.

Kommentar Dialyse.de Das Krankheitssystem der Bundesrepublik begrenzt sich selbst: Irgendwann sind die Kosten, wie heute bereits für ein Drittel aller US-Amerikaner, nicht mehr aufzubringen. Spätestens dann wird Prävention zum Erhaltung und Förderung von Gesundheit erste Bürgerpflicht werden – ob wir dies wollen oder nicht. Das körperliche Aktivität übrigens sogar für Dialyse-Patienten messbar vorteilhafte Auswirkungen auf Gesundheit und Lebenserwartung hat, sollte allen Betroffenen klar sein – und zwar sowohl jenen, die das endgültige Nierenversagen in jüngeren Jahren ereilt, als auch den älteren Patienten (Dialyse: Krafttraining gut für Muskeln, Fitness und Lebensqualität).

Autor

Rainer H. Bubenzer, Berliner Medizinredaktion, Februar 2008.

Quellen

  1. Gilbertson DT: Projecting the ESRD Population to 2020 (3.11.2007). Bei: American Society of Nephrology’s (ASN) 40th Annual Meeting and Scientific Exposition (Renal Week 2007). 31.10.-5.11.2007, San Francisco/USA.
  2. Köster I, von Ferber L, Ihle P, Schubert I, Hauner H: The cost burden of diabetes mellitus: the evidence from Germany -- the CoDiM study. Diabetologia. 2006 Jul;49(7):1498-504 (Medline).
  3. Köster I, von Ferber L, Hauner H: Die Kosten des Diabetes mellitus – Ergebnisse der KoDiM-Studie. PMV Forschungsgruppe, Köln, 2005 (Volltext).
  4. Hu FB, Manson JE, Stampfer MJ, Colditz G, Liu S, Solomon CG, Willett WC: Diet, lifestyle, and the risk of type 2 diabetes mellitus in women. N Engl J Med. 2001 Sep 13;345(11):790-7.
  5. 32. Interdisziplinäres Forum „Fortschritt und Fortbildung in der Medizin“. Veranstalter: Bundesärztekammer. Berlin, 10.-12. Januar 2008.
  6. Lindström J, Louheranta A, Mannelin M, Rastas M, Salminen V, Eriksson J, Uusitupa M, Tuomilehto J; Finnish Diabetes Prevention Study Group: The Finnish Diabetes Prevention Study (DPS): Lifestyle intervention and 3-year results on diet and physical activity. Diabetes Care. 2003 Dec;26(12):3230-6.
  7. Lindström J, Ilanne-Parikka P, Peltonen M, Aunola S, Eriksson JG, Hemiö K, Hämäläinen H, Härkönen P, Keinänen-Kiukaanniemi S, Laakso M, Louheranta A, Mannelin M, Paturi M, Sundvall J, Valle TT, Uusitupa M, Tuomilehto J; Finnish Diabetes Prevention Study Group: Sustained reduction in the incidence of type 2 diabetes by lifestyle intervention: follow-up of the Finnish Diabetes Prevention Study. Lancet. 2006 Nov 11;368(9548):1673-9.
  8. Ilanne-Parikka P, Eriksson JG, Lindström J, Peltonen M, Aunola S, Hämäläinen H, Keinänen-Kiukaanniemi S, Laakso M, Valle TT, Lahtela J, Uusitupa M, Tuomilehto J; on behalf of the Finnish Diabetes Prevention Study Group: Effect of Lifestyle Intervention on the Occurrence of Metabolic Syndrome and its Components in the Finnish Diabetes Prevention Study. Diabetes Care. 2008 Jan 9 (Medline).
  9. Diabetes Prevention Program (DPP) Research Group: The Diabetes Prevention Program (DPP): description of lifestyle intervention. Diabetes Care. 2002 Dec;25(12):2165-71.
  10. Jonker JT, De Laet C, Franco OH, Peeters A, Mackenbach J, Nusselder WJ: Physical activity and life expectancy with and without diabetes: life table analysis of the Framingham Heart Study. Diabetes Care. 2006 Jan;29(1):38-43.
  11. Leitzmann MF, Park Y, Blair A, Ballard-Barbash R, Mouw T, Hollenbeck AR, Schatzkin A: Physical activity recommendations and decreased risk of mortality. Arch Intern Med. 2007 Dec 10;167(22):2453-60.
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