
Kalium: Ein Zuviel kann Ihr Herz aus dem Takt bringen
Kalium (chemisches Kurzzeichen: K) ist ein Mengen-Element, das absolut lebenswichtig ist. Es wird bei der Regelung des Wasserhaushaltes der Zellen benötigt, ist erforderlich bei der Weiterleitung von Nervenimpulsen und für Muskelbewegungen und beeinflusst die Wirksamkeit viele Enzyme („Fermente“).
Kaliumvergiftung Die Kalium-Stoffmenge in der Blutflüssigkeit („Serum“) ist genau geregelt, liegt bei der Laborbestimmung normalerweise zwischen 3,6 und 4,8 Millimol pro Liter. Wird dieser Wert überschritten, spricht man von einer Kaliumvergiftung („Hyperkaliämie“). Als Folge davon wird die Weiterleitung von Nervensignalen gestört. Dies kann zu Muskellähmungen führen; beim Herzmuskel bedeutet dies Herzstillstand und Tod. Da die Vorboten einer beginnenden Kaliumvergiftung (siehe Kasten) nicht immer auftreten oder nicht richtig erkannt werden, besteht Lebensgefahr.
Anzeichen einer Kaliumvergiftung Müdigkeit, Schwäche, Hörstörungen, „Metallgeschmack“ im Mund, niedriger Blutdruck, Taubheitsgefühl besonders im Gesichtsbereich, Muskelzittern, steife Beine, langsamer Puls, unregelmäßiger Herzschlag, gesteigerte Reflexe; bei Extremwerten: Muskellähmungen, „Herztod“.
Ursachen Die Ursache für eine Hyperkaliämie bei Dialysepatienten zumeist in einer zu kaliumreichen Ernährung. Außerdem steigt der Kaliumspiegel, wenn Körperzellen abgebaut oder zerstört werden und die darin enthaltenen großen Kaliummengen ins Blut gelangen. Dies geschieht bei zu geringer Kalorienzufuhr sowie bei Muskelverletzungen oder Blutergüssen. Auch bei einer Übersäuerung („Azidose“) wird Kalium aus den Zellen ins Blut abgegeben.
Bedarf Der tägliche, von Essen und Trinken gedeckte Kaliumbedarf eines Erwachsenen liegt grob gerechnet bei 2.000 mg Kalium (2 Gramm K, Nährstoffbedarf bei chronischem Nierenversagen), kann aber individuell stark unterschiedlich sein. Die Beschränkung der täglichen Kaliumaufnahme auf diese Menge – oder noch besser: auf die im Einzelfall medizinisch notwendige Menge – ist für Dialysepatienten eine der wichtigsten Maßnahmen, um lebensbedrohliche Komplikationen zu vermeiden. Abhängig von der Kaliumkonzentration im Blut vor der Dialyse muss eventuell die erlaubte Kaliumaufnahme auch auf Werte unter 2.000 Milligramm pro Tag reduziert werden.
Dialyse Wenn die Nieren noch eine Restfunktion haben und noch etwas Kalium ausscheiden können, kann andererseits die erlaubte Kaliummenge, abhängig vom Blutwert, etwas höher sein. Auch während der Dialyse darf die Kalium-Beschränkung nicht völlig ignoriert werden, so wie Sie auch während der Dialyse nicht beliebig viel trinken dürfen. Wenn Sie großes Verlangen nach kaliumreichen Lebensmitteln haben, sollten Sie darauf achten, dass sie zu Beginn der Dialyse verzehrt werden und dass sie leicht verdaulich sind. So kann das Kalium noch während der Dialyse vom Darm ins Blut aufgenommen und von dort über die Kapillare herausdialysiert werden.
Kaliumreiche Nahrungsmittel Trockenobst (z. B. Datteln, Feigen, Rosinen), Bananen, Melone, Avocado, Bambussprossen, Brokkoli, Fenchel, Grünkohl, Spinat, Pilze. Kartoffel-Fertigprodukte (z. B. Chips, Kroketten, Pommes frites), Kartoffeln mit der Schale. Marzipan, Kakao, Melasse, Konzentrate (z. B. Tomatenmark, Ketchup).
Datenbank Den Kaliumgehalt einzelner Nährstoffe können Sie bei unserer Dialyse.de-Nährstoff-Datenbank abfragen. Dort sind rund 11.000 Lebensmittel mit ihren Kaliumwerten erfasst. Bitte beachten Sie: Die Kaliumangaben in Milligramm beziehen sich jeweils auf 100 Gramm des jeweiligen Nährmittels. Möchten Sie die 30 Lebensmittel mit dem höchsten Kaliumgehalt sehen, klicken Sie hier. Die Datenbank basiert auf dem Bundeslebensmittelschlüssel (BLS, weitere Infos). Dies bedeutet für Dialysepatienten: Werteangaben in irgendwelchen Tabellen-Werken sind im besten Fall Durchschnittswerte und bieten nur eine Annäherung an die wirkliche Nährstoff-Verteilung in Lebensmitteln. Deshalb kann es durchaus sein, dass Lebensmittel im Einzelfall viel höhere Kaliumgehalte haben als in der Dialyse.de-Nährstoff-Datenbank oder in anderen Wertetabellen angegeben.
Autor
Rainer H. Bubenzer, Berliner Medizinredaktion, Februar 2008.

