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Dialyse & Neues aus der Medizin

Dialyse-Patienten
Periodontitis an arteriosklerosebedingte Todesfällen mitverantwortlich?

Periodontitis

Fortgeschrittene Periodontitis (Modell)

„Kraftvoll zubeißen zu können“, so will die Werbung glauben machen, „ist gleichbedeutend mit Gesundheit“. Tatsächlich sterben Säugetiere spätestens dann, wenn ihr zunehmender Zahnverlust die notwendige Nährstoffversorgung des Organismus verhindert. Für Menschen mit Nierenersatz-Therapie trifft der Slogan sogar noch mehr zu, denn ihre Lebenserwartung könnte eng mit ihrer Zahngesundheit zusammenhängen, wie es in einer Veröffentlichung von Zahnmedizinern der Universität New York heißt [1].

Dass es bei Nierenersatz-Behandlung zu besonderen Problemen mit der Zahngesundheit kommt, ist bekannt. Nierentransplantierte leiden häufig unter wuchernden Vergrößerungen des Zahnfleisches („Gingiva-Hyperplasie“, Dialysepatienten häufig unter Zahnbelägen („Plaque“), Zahnstein, Zahnfleisch-Entzündung („Gingivitis“) und vielen anderen Problemen von Kauapparat und Mundbereich. Wahrscheinlich kommt es auch häufiger als in der Normalbevölkerung zu Entzündungen des Zahnbettes („Periodontitis“, oft auch als „Parodontitis“ bezeichnet). Mehrere Ursachen spielen dabei zusammen: Beispielsweise eine Schwächung des Abwehrsystems durch Harnvergiftung („Urämie“), aber auch Begleiterkrankungen wie die Erwachsenen-Zuckerkrankheit („Diabetes mellitus Typ II“), veränderte Speichelmenge und -Zusammensetzung, Störungen des Kalzium-Stoffwechsels und nicht zuletzt eine geringere Zahnhygiene bei Dialysepatienten und seltenerer Zahnarztbesuch.

Beunruhigend könnten die Auswirkungen einer chronischen Entzündung des Zahnhalte-Apparates sein. Von der Periodontitis ist bekannt, dass sie – als Zeichen der Infektionsbelastung – mit erhöhten Blutwerten des sogenannten C-reaktiven Proteins (CRP) einhergeht. Das ist ein Eiweiß, das unter anderem bei Entzündungen im Körper vermehrt vorkommt und auch an deren Verlauf beteiligt ist. Zudem sind Bakterien, die mit Entzündungen von Zahnhalteapparat, Zahnwurzel und Zahnfleisch in Beziehung stehen, möglicherweise auch direkt an der Entstehung oder dem Fortschreiten der entzündlichen Arterienverkalkung („Arteriosklerose“) beteiligt [2, 3, 4]. Der CRP-Wert ist auch bei dieser entzündlichen Erkrankung erhöht. Die Höhe und Dauer der Nachweisbarkeit des CRP-Wertes ist zudem bei Patienten mit terminalem Nierenversagen – anders als in der Normalbevölkerung – eine der besten Vorhersage-Möglichkeiten („Prädiktor“) für Todesfälle insgesamt sowie Herztod. Die wichtigste Todesursache bei Dialyse-Patienten ist schließlich die Arterienverkalkung und ihre Folgen (Herzinfarkt, Schlaganfall). Womit sich der Teufelskreis schließt: Durch Nierenversagen bedingte chronische Entzündungen im Zahnhalte-Apparat -> vermehrtes Vorkommen entzündungsaktiver Eiweiße im Körper und vermutlich Ausstreuung von Bakterien vom Zahnhalte-Apparat aus -> hierdurch bedingte Zunahme der wichtigsten, am häufigsten zum Tode führenden Erkrankung von Dialysepatienten – der Arteriosklerose -> (bei Nierentransplantierten) Schädigung der neuen Niere durch verstärkte Arterienverkalkung.

Für Dialyse-Patienten folgt hieraus:

  • Regelmäßige Zahnhygiene einschließlich Zahnarztbesuch erhält die Zähne und die Kaufunktion, was zu einer verbesserten Ernährung und Nährstoff-Versorgung beiträgt – also dem häufig bei Dialysepatienten beobachteten Nährstoff-Mangel vorbeugt.
  • Erste wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass eine wirksame zahnmedizinische Therapie der Periodontitis die CRP-Blutwerte und die Aussaat von Bakterien in den Körper senkt, was möglicherweise die Häufigkeit oder Ausprägung von Herz-Kreislauferkrankungen senkt, vor allem von arteriosklerose-bedingtem Herzinfarkt und Schlaganfall. Ergebnisse von entsprechenden Behandlungs-Untersuchungen bei Dialyse-Patienten wurden jedoch bislang noch nicht veröffentlicht.

Autor

Rainer H. Bubenzer, Berliner Medizinredaktion, März 2008.
Abbildung: Techpool/LifeART: 3D Super 3 Dental, 1997.

Quellen

  1. Craig RG: Interactions between chronic renal disease and periodontal disease. Oral Dis. 2008 Jan;14(1):1-7 (Medline, Volltext).
  2. O'Connor S, Taylor C, Campbell LA, Epstein S, Libby P: Potential infectious etiologies of atherosclerosis: a multifactorial perspective. Emerg Infect Dis. 2001 Sep-Oct;7(5):780-8 (Medline, Volltext).
  3. Mastragelopulos N, Rogge S, Kielbassa A, Haraszthy V, Zambon J, Brunkwall J, Beaumont C, Zafiropoulos GG: Bakterielle Besiedlung der atheromatösen Plaques: Parodontitis und Arteriosklerose. Gefässchirurgie. 2004 Nov; 9(4):332-8 (Kurzfassung).
  4. Cengiz MI, Bal S, Gökçay S, Cengiz K: Does periodontal disease reflect atherosclerosis in continuous ambulatory peritoneal dialysis patients? J Periodontol. 2007 Oct;78(10):1926-34 (Medline).
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