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Dialyse & Neues aus der Medizin

Nierenheilkunde: Einer der lebendigsten Forschungszweige der Medizin

In Stockholm fand vom 10.-13. Mai 2008 der Jahreskongress der Europäischen Nierengesellschaft (ERA-EDTA) statt. Über 8.000 Teilnehmer aus aller Welt diskutierten in mehr als 100 Sitzungen neueste Erkenntnisse zu allen Gebieten der Nierenheilkunde und der Nierenersatztherapie. Als Berichterstatter für Dialyse.de berichtet Privat-Dozent Dr. med. Karl Wagner, Hamburg, über wichtige Schwerpunkte der renommierten Fachveranstaltung, die auch für Patienten und ihre Betreuer von Interesse sind.

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Kurzmeldungen zum Thema „Versorgung von Nierenkranken“

Wenn ein Dialysepatient zuviel an Gewicht mitbringt, muss während der Dialyse zuviel Wasser entzogen werden. Dieser Wasserentzug kann zu Durchblutungs-Störungen des Herzens führen, wodurch der Herzmuskel nicht mehr richtig arbeiten kann. Deshalb: Vorsicht beim Trinken zwischen den Dialysen!

Dialysepatienten, die von einer professionellen Diätberatung begleitet werden, haben einen besseren Blutdruck als solche Dialysepatienten, die nur gelegentlich oder gar nicht ihre Diätberatung bekommen.

Forscher haben ein Kohlepulver als Tablette zum Einnehmen entwickelt, welches bestimmte Harngifte, die dem Herzen schaden, im Darm abbinden kann. Die Wirkung wurde eindeutig an Herzmuskelstücken gezeigt. Die Untersuchungen wurden an Tieren durchgeführt – ob Kohlepulvertabletten auch beim Menschen funktioniert, wird zur Zeit erprobt.

Aus Indien werden erste Pläne für eine implantierbare künstliche Niere angekündigt. Bislang sind dies jedoch nur Pläne – es muss noch viel gebaut und experimentiert werden.

Die Hämoglobinwerte (Hämoglobin transportiert den Sauerstoff im Blut) in den roten Blutkörperchen sollten nicht zu hoch, aber auch nicht zu niedrig eingestellt werden. Das beste Überleben haben Patienten mit Hb-Werte zwischen 10,5 und 12 g/dL.

Hämodialyse (HD, Blutwäsche) und Peritonealdialyse (PD, Bauchfellwäsche) sind hinsichtlich der Lebenserwartung gleichwertige Verfahren, zumindest in der Anfangsphase der Nierenersatztherapie. In der ersten Zeit hat ein PD-Patient sogar ein niedrigeres Sterberisiko als ein HD-Patient.

Das Sterberisiko von Patienten, die ihren Phosphat-Haushalt nicht im Griff haben – sei es durch Diätfehler, unzureichende Versorgung mit Phosphatbindern oder andere Ursachen – ist deutlich erhöht.

Diabetiker unter den Dialysepatienten sind ganz besonders anfällig für Gefäßprozesse (zum Beispiel „Verkalkung" ), die durch die Störung des Calcium-Phosphat-Haushalt ausgelöst werden.

Die Auswahl der einzelnen Dialyseverfahren (zum Beispiel HD oder PD) hängt sehr von der Haltung der Nieren-Spezialisten zu den einzelnen Verfahren ab. Nur so sind die großen Unterschiede zu erklären. Zum Beispiel machen in Frankreich über 40% der über 75-jährigen Dialysepatienten Bauchfellwäsche.

Raucher mit Nierenerkrankungen werden nicht nur schneller dialysepflichtig, sondern verlieren – im Falle einer Organübertragung – das Transplantat auch früher.

Bei Nierentransplantierten sind jetzt kortisonarme bzw. kortisonfreie Therapie-Protokolle in Erprobung. Dies könnte die Nebenwirkungen der medikamentösen Dauerbehandlung nach einer Transplantation verringern.

Die Nierentransplantation wird in einigen Jahren einfacher. Forscher konnten in Tierversuchen zeigen, dass mit der Verwendung von Stammzellen die Abstoßungsrate fast auf Null sank. Dies könnte auch die Überlebenszeit nach einer Transplantation deutlich verlängern.

Autor

Privat-Dozent Dr. med. Karl Wagner, Hamburg, Mai 2008.

Quellen

  • Bericht vom 45. ERA-EDTA (European Renal Association – European Dialysis and Transplant Association)-Kongress. Stockholm, 10.-13. Mai 2008 .
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