
Lesetipp: „Fachpflege Nephrologie und Dialyse“
Patienten werden von metallischen Maschinen-Händen behandelt, während Fachkräfte als „versklavte Erfüllungsgehilfen“ eines Dialyse-Roboters nur zusehen – sieht so die Zukunft in Dialyse-Zentren aus? Im Vorwort des Buches „Fachpflege Nephrologie und Dialyse“ verweist der Herausgeber Gerd Breuch auf die Zukunftsängste des Fachpersonals. Dieses sieht sich wegen des rasanten technischen Fortschritts einem „Dialyse-Gerät-Monstrum“ gegenüber, das mit seinen blinkenden Monitoren und standardisierten Prozessen bald nur noch Handlanger zum An- und Ausstellen zu brauchen scheint.
Doch Breuch widerspricht dem Zukunftsentwurf von „Metropolis“ à la Fritz Lang ausdrücklich. Statt dessen fordert er dazu auf, sich professionell mit dem gewandelten Berufsbild auseinander zu setzen. Wozu seiner Meinung nach gehört, sich Wissen anzueignen, um die Technik zu beherrschen. Ziel ist, Zeit für die Patienten zu gewinnen. Denn eines können noch so hochgerüstete Maschinen nicht: Dem Patienten mit Kreativität, Menschlichkeit und Mitgefühl zur Seite stehen.
Technikaffinität nötig
Der überarbeiten, vierten Auflage wurden also den Neuerungen in der Dialyse-Technik Rechnung getragen. Klar wird schon bei einer kurzen Durchsicht: Heutiges Fachpersonal sollte ein Technikverständnis haben oder zumindest keine Berührungsängste mit Computern und computergesteuerten Programmen.
Das Buch wendet sich an Fachkräfte, die in die Nephrologie und Dialyse wechseln wollen oder an Erfahrene zur Auffrischung und Vertiefung. Bei der Wissensvermittlung wurde auf altbewährte Schemata zurückgegriffen. Sechs unterschiedliche Kapitel widmen sich dem gegenwärtigen Wissen in der Nephrologie und Dialyse: Dabei geht es vom Grundsätzlichen (Anatomie und Physiologie der Niere), zu den Nierenerkrankungen, dann zum Hauptteil mit den Blutreinigungsverfahren (im Allgemein und Besonderen). Abschließend folgen nephrologische Pflege und Nierentransplantation. Das Buch ist von mehreren Autoren geschrieben worden, die jeweils Artikel aus ihren Fachbereichen verfassten. Mit geballter Kompetenz werden somit die vielfältigen modernen Bereiche der Dialyse-Versorgung abgedeckt. Auch Historisches wird durchaus eingeflochten – um beispielsweise einen Überblick über die technische Entwicklung zu geben.
Der Hauptteil befasst sich mit allen Fragen rund um die Blutreinigungsverfahren. Von den physikalischen Grundlagen der Dialysegeräte, deren Wasseraufbereitung, Dialysierlösungen bis hin zum Aufbau, Funktionen von Dialysegeräten bis hin zu technischen, wichtigen Details.
Der Stoff wird im gesamten Buch übersichtlich präsentiert. Lange Texte werden mit Fotos, Röntgen-, MRT-Aufnahmen oder Übersichtsdiagramme unterbrochen, die den Lesefluss oder der Veranschaulichung dienen. Wenn komplizierte, technische Sachverhalte erläutert werden, kommen verschiedene schematische Darstellungen dem besseren Verständnis zum Einsatz. Wichtiges ist durch „Merke“-Blöcke blau abgesetzt. Auch für eine Interaktivität ist gesorgt: Interessenten wird ein Downloadservice angeboten im Internet angeboten, der weitere Informationen über Fort- und Weiterbildung, Medikamente und Laborwerte umfasst.
Resümmee: Wegen der hohen Fachlichkeit tatsächlich nur für Fachpersonal geeignet.
Gerd Breuch: Fachpflege Nephrologie und Dialyse
Urban & Fischer / Elsevier GmbH, München
4. Auflage 2008, ISBN 978-3-437-26252-4, 39,95 €
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Autorin
Marion Kaden, Berliner Medizinredaktion, März 2009.

