
Einsatz von Heilpflanzen bei Nierenkranken
Pflanzliche, komplementäre oder alternative Medikation (CAM) ist beliebt. Nicht nur nur bei Gesunden, sondern auch bei Menschen mit chronischer Niereninsuffizienz oder Nieren-Transplantierten. Im Allgemeinen wird den Präparaten eine hohe Nebenwirkungsfreiheit nachgesagt. Doch über die möglichen Risiken für zum Beispiel Dialyse-Pflichtige oder Transplantierte ist wenig bekannt. Beim 7. Berliner Kongress Phytotherapie in Berlin stellte der Nephrologe Dr. Rainer Nowack, Dialyse am Krankenhaus in Lindau (Bodensee), eine Untersuchung vor. Ihr Ziel: Die Einnahme von CAM und anderen Gesundheitsprodukten bei Patienten mit Niereninsuffizienz und –Transplantierten zu erfassen.
Die Untersuchung bezog sich auf die Region Bayerisches Schwaben und wurde von fünf ländlich gelegenen, nephrologischen Zentren durchgeführt. Grundlage war ein Fragebogen, der in Zusammenarbeit mit Patienten des Dialysezentrums in Lindau entwickelt wurde. Dies sei nötig gewesen, so erläuterte Nowack, weil viele Patienten unter pflanzlichen Mittel sehr Unterschiedliches einordnen würden: So verstünden die einen darunter nur Tees (Kamille, Pfefferminze, Hopfen etc). Andere Säfte (Zitrone), Nahrungsergänzungsmittel oder Spurenelemente/Mineralstoffe. Dialysepatienten und Transplantierte nutzen auch auf Heilpflanzen basierende Arzneimittel (Phytotherapeutika) gerne zur Leistungssteigerung, Immunstärkung (Echinacea, Umkaloabo), Verbesserung der Durchblutung (Gingko) oder bei Depressionen (Johanniskraut). In der Untersuchung wurden auch weitere Produkte am Rande dieses Präparatespektrums erfasst wie zum Beispiel Vitaminpräparate.
Nowack kennzeichnete die Untersuchung in vielen Merkmalen als repräsentative Momentaufnahme: So nahmen 45 Transplantierte (30 Männer, 15 Frauen) und 119 Dialysepatienten (60 Männer, 59 Frauen) im Alter von etwa 60 Jahren (+ 10) teil (24 Prozent davon waren Diabetiker). Von den 180 verteilten Fragebögen konnten 164 ausgewertet werden. Insgesamt zeigt sich eine relativ hohe Nutzung von Phytotherapeutika und anderen Produkten: Sowohl die Transplantieren (T) wie die Dialysepatienten (D) nutzten regelmäßig durchschnittlich mindestens zwei nicht vom Arzt verordnete Präparate (Dialysepatienten bis maximal fünf, Transplantierte bis maximal zwölf Mittel). Am häufigsten wurden folgende Präparate angegeben: Mineralstoffe (D 41%, T 29%), Vitamine (D 26%, T 27%), Phytotherapeutika (D 17%, T 33%), Kräutertees (D + T 49%), Zitrussäfte (D 38%, T 33%). Insgesamt konnten 41 verschiedene Phytopräparate ausgemacht werden. Eine Besonderheit stellte der Nephrologe noch extra heraus: Überraschenderweise würden Männer insgesamt mehr Kräutertees trinken als Frauen.
Zusammenfassung:
- Der Konsum von Phytotherapeutika ist sowohl bei Dialysepatienten als auch Nieren-Transplantierten sehr verbreitet.
- Die behandelnden Nephrologen werden von ihren Patienten oft nicht über den Gebrauch von Phythotherapeutika und anderer rezeptfreier Mittel informiert.
- Umgekehrt zeigen die Nephrologen nur wenig Interesse, fragen z. B. bei den Patienten meist nicht nach.
Zum Schluss resümmierte Nowak, dass aufgrund der bisherigen Ergebnisse die Frage noch unbeantwortet bliebe, ob für Dialysepatienten oder Transplantierte bei der Einnahme von Phytotherapeutika tatsächlich ein Einnahmerisiko bestehe. Es bestünden theroretisch Risiken, die durch eine weitere Untersuchung gerade überprüft werden. Dringend empfahl Nowack den Patienten, ihre behandelnden Nephrologen über die Einnahme von CAM in Kenntnis zu setzen. Und falls diese kein Interesse zeigen würden, den zuständigen Hausarzt zu informieren. Nicht zuletzt: CAM sollten nicht in hohen Mengen konsumiert werden – dazu gehöre auch, zum Beispiel auf zwei Liter „guten“ Kamillentee unbedingt zu verzichten.
Autorin
Marion Kaden, Berliner Medizinredaktion, Berlin, September 2009
Quellen
- 7. Berliner Kongress Phytotherapie. Berlin, 10.-12. September 2009.
- Nowack, R Ballé C, Birnkammer F, Koch W, Sessler R: Anwendung und Risiken pflanzlicher Präparate bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz und Nierentransplantation.

