
Chronische Nierenerkrankung: Eine Lebensgeschichte

Darren Cawley
Was es bedeutet, eine chronische Nierenerkrankung zu haben, erklärt Darren Cawley (32), während einer Pressekonferenz Journalisten [1]. Er erzählt seine Lebensgeschichte und vom Alltag mit der Dialyse. Der engagierte Ire möchte aufklären, damit sich mehr Menschen zur Organspende bereit erklären, um möglichst vielen Dialysepatienten ein neues, freieres Leben zu eröffnen.
Darren studierte Sport & Fitness an der Hochschule von Luton, Irland. „Boxen, Fussball, Rugby, Handball, Racket waren die Sportarten, die ich am meisten mochte, und in denen ich ziemlich erfolgreich war“, erzählt Darren. Sport war sein Leben, und er heimste viele Preise ein. Doch dann hatte er häufiger Kopfschmerzen oder sah auch große Punkte vor seinen Augen. „Die Beschwerden nahmen zu, und ich bekam den Ball auch häufiger nicht mehr“, so Darren. Dann, vor einem wichtigen Freundschaftsspiel waren die Beschwerden so stark, dass Darren sich entschloss, zum Arzt zu gehen. Er wollte Hilfe vom Arzt, damit er beim Spiel am Abend wieder topfit sein konnte. Der Arzt maß einen Blutdruck von 200 und führte eine Irisdiagnose durch. „Als der Arzt dann meine Eltern bat, vorbeizukommen, dämmerte mir, dass ich am Abend nicht mehr spielen würde“, erinnert sich Darren.
Positive Einstellung ist wichtig

Shunt
Der Arzt diagnostizierte Nierenversagen. Um Überleben zu können, musste Darren sofort an die Dialyse. „Ich war gerade 20, als der Traum von meiner Sportkarriere zerplatzte“, erzählt Darren weiter. Er musste sein Leben völlig umstellen, denn er musste jeden zweiten Tag zur Dialyse. „Doch schon ein Jahr später hatte ich das Glück, eine Niere zu bekommen. Sie wurde vorne im Bauch eingesetzt“, erzählt Darren. Er hebt sein Hemd und zeigt eine lange Narbe. „Leider verlor ich die Niere zwei Jahre später wegen einer viralen Infektion“. Seither gehört die Dialyse wieder zu seinem Alltag. Er versucht, sich von der chronischen Nierenerkrankung nicht unterkriegen zu lassen. „Eine positive Einstellung ist wichtig“, so der Ire. Außerdem macht er mit seinem Sport weiter. „Ich kann meinen Körper weiter herausfordern“, sagt Darren und das auf hohem Niveau. Er machte zum Beispiel bei den World Transplant Games in 2001 Japan mit und gewann in verschiedenen Disziplinen. „Ich gewann auch bei den letzten Transplant & Dialyse Spielen 2008 in Deutschland sämtliche Läufe über 100-, 200- und 400 Meter“, erzählt Darren stolz und mit glitzernden Augen.
Wichtig: Informationen über chronischen Nierenerkrankungen
Darren konnte damals zwar seinen Abschluss für Sport & Fitness machen, doch eine Arbeit in diesem Bereich auszuüben, wäre zu anstrengend für ihn. Statt dessen fährt Darren Taxi im Unternehmen seiner Eltern. So kann er sich sowohl die Zeiten als auch seine verfügbaren Kräfte einteilen. Wenn er sich manchmal zu schlapp fühlt, kann er dann auch aussetzten, erklärt Darren mit einem melancholischen Lächeln. Die Krankheit kostet Kraft und manchmal fällt es ihm nicht leicht, seine positive Einstellung beizubehalten. Seit der letzten acht Jahre wird nun sein Leben wieder von Dialysesitzungen beherrscht. Jeden zweiten Tag muss er in ein Dialysezentrum. Dort nutzt er die langen Behandlungszeiten, um online weltweit in verschiedenen Foren oder Communities wie Facebook zu kommunizieren. Sein Ziel dabei: Möglichst viele Informationen über die chronische Nierenerkrankung zu verbreiten. Aus diesem Grund besucht er Schulen in Irland, um vor Kindern von seiner Erkrankung zu berichten. Darren will auch auf die mangelnde Organspende-Bereitschaft hinweisen und darauf hinwirken, dass sich mehr Menschen positiv für eine Organspende entscheiden. „Es wäre so vielen Menschen damit geholfen“, so Darren, „denn die Freiheit von der Dialyse eröffnet einem wieder ein halbwegs normales Leben“.
Hoffen auf eine neue Niere

Darren Cawley
Er steht seit fünf Jahren erneut auf einer Nieren-Transplantationsliste. Er versucht das Beste daraus zu machen, bleibt weiterhin sportlich aktiv oder unterstützt seinen Körper durch regelmäßige Saunagänge. Nur mit dem Essen ist es schwierig, bekennt Darren. Denn er hat leider nur wenig Appetit. Er empfindet es auch nicht als förderlich, dass so Vieles, was ihm schmeckt, wegen der hohen Phosphat- und Kaliumkonzentrationen verboten ist. „Ich ernähre mich viel von Nudelgerichten“, erklärt er freimütig. Er bedauert manchmal, dass er kaum etwas spontan machen kann. „Und ein Urlaub beispielsweise erfordert eine richtige Rundum-Organisation, damit die nötige Dialyse weiterhin gewährleistet ist“. Darren strahlt Dynamik und große Freundlichkeit aus. Trotz seiner positiven Einstellung ist unverkennbar, wie er sich über eine zweite Chance durch eine weitere Nieren-Transplantation freuen würde. „Dann heirate ich sofort meine Freundin Eva“, erklärt er. Damit er auch den ANRUF aus dem Transplantationszentrum nicht verpasst, trägt Darren immer ein zweites Handy bei sich. Er zeigt das Telefongerät und lächelt „hoffentlich klingelt es bald“, sagt er zum Schluss.
Autorin
Marion Kaden, Berliner Medizinredaktion, Berlin, Juli 2010
Quellen
- Amgen-Pressekonferenz „Pioneering Science in Chronic Kidney Disease Management“, am 25. Juni 2010, im Le Méridien Hotel, München im Rahmen des XL VII ERA-EDTA Congress II DGflN Congress.
Bildquelle: Marion Kaden

